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So wählte die Steinmühle

Aktuelles, Politik, Wirtschaft & Verantwortung, Umfragen & Studien

Am 19. Februar 2025 fanden an der Steinmühle erneut die Juniorwahlen statt, dieses Mal im Rahmen der vorgezogenen Bundestagswahlen.

Die Wahlbeteiligung lag mit 80,2 Prozent etwas unter dem Schnitt im Vergleich zur Wahlbeteiligung in den vergangenen Jahren, was mit dem hohen Krankenstand und zahlreichen Auslandsaufenthalten der Schülerinnen und Schüler zu erklären ist. In Anbetracht dieser Umstände ist es jedoch erfreulich, dass die Wahlbeteiligung dennoch verhältnismäßig hoch war.

 

Vielen Dank den Wahlhelfern

Grund dafür war sicherlich auch das große Engagement der diesjährigen Wahlhelfer. Ben Luis Peters, Jannis Bastian, Fabian Gutmann, Andreas Wöhr, Jonathan Eckardt, Baris Tutu, Jan Templer und Anton Neßler aus dem PoWi-LK von Dr. Claudia Röder überzeugten durch ihre Motivation, ihr Fachwissen, ihr Organisationstalent und ihren humorvollen und freundlichen Umgang.

So konnte sich die Projektleiterin Eva Rink über einen reibungslosen Ablauf der Juniorwahlen freuen. Die PoWi- und Englischlehrerin war zudem erleichtert, dass die Juniorwahlen dieses Jahr überhaupt stattfinden konnten, was aufgrund der vorgezogenen Bundestagswahlen und dem damit verbundenen Zeitdruck nicht selbstverständlich war. Einmal mehr präsentierte sich der Träger des Projektes, der gemeinnützige und überparteiliche Verein Kumulus e.V. aus Berlin, als zuverlässiger Förderer und Veranstalter für politische Bildung (weitere Informationen: juniorwahl.de).

Die Ergebnisse der Juniorwahlen könnten an der ein oder anderen Stellen für Überraschung sorgen, insbesondere, wenn man sie mit dem Ergebnis der tatsächlichen Bundestagswahlen oder auch mit dem Gesamtergebnis der Juniorwahlen aller in Deutschland teilnehmenden Schulen vergleicht.

 

CDU weiter stärkste Kraft, gefolgt von der Linken

Die CDU wurde an der Steinmühle, wie auch schon bei der letzten Juniorwahl im Rahmen der Europawahlen, mit 23,9 Prozent stärkste Kraft.

Einprägsam ist das Ergebnis der Linken, die bei den letzten Wahlen als Wahlverliererin galt. Dieses Jahr kann diese Partei durchaus als weitere Wahlsiegerin bezeichnet werden, da sie nicht nur deutliche Zugewinne zu verzeichnen hat, sondern mit 21,1 Prozent sogar zweitstärkste Kraft wurde.

An dritter Stelle stehen die Grünen mit 17,8 Prozent knapp vor der SPD (16,9 Prozent).

Ein bundesweiter Trend zeigt sich auch an der Steinmühle: Die FDP verzeichnet im Vergleich zu vorherigen Juniorwahlen an der Steinmühle weitere Verluste. War sie bei den Juniorwahlen im Rahmen der Bundestagswahlen 2021 noch zweitstärkste Kraft, erhielt sie dieses Jahr nur noch 8,2 Prozent der Stimmen.

Das Bündnis Sarah Wagenknecht und die Partei Volt erhielten 3,3 Prozent und 3,0 Prozent der Stimmen und liegen damit fast gleichauf.

 

Rechtsruck blieb aus

Der Rechtsruck, der nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa zu spüren ist, blieb an der Steinmühle aus. Die AfD erhielt noch weniger Stimmen als bei den vorausgegangenen Juniorwahlen und konnte nur 1,5 Prozent der Stimmen für sich gewinnen.

In der Grafik wurden die folgenden Parteien als „Sonstige“ zusammengefasst: Freie Wähler (1,2 Prozent), Tierschutzpartei (1,2 Prozent), Die PARTEI (0,9 Prozent), MLPD (0,6 Prozent), PdH (0,3 Prozent).

 

„Podiumsdiskussion hilfreich“

Spannend sind auch die Ergebnisse der Erststimmen. Hier zeigte sich Sören Bartol von der SPD mit 40,2 Prozent der Stimmen als eindeutiger Wahlsieger. Weitere Ergebnisse bezüglich der Wahlkreisabgeordneten zeigt die beigefügte Tabelle.

Viele Schülerinnen und Schüler wiesen darauf hin, dass die vorausgegangene Podiumsdiskussion an der Steinmühle mit den Direktkandidaten für den deutschen Bundestag sehr hilfreich für die Wahlentscheidung war und in guter Erinnerung blieb.

 

Demokratie macht Spaß

Zudem äußerten sich sowohl zahlreiche Schülerinnen und Schüler, als auch Kolleginnen und Kollegen erneut positiv zu den Juniorwahlen, was sich auch in der Begeisterung, welche die Steinmühlenschülerschaft am Wahltag zeigte, widerspiegelte. Demokratie macht Spaß! Dies zeigte sich auch dieses Jahr wieder, und die Organisatorin der Juniorwahlen an der Steinmühle hofft, dass die Begeisterung dafür auch in den kommenden Jahren nicht nachlassen wird.

Eva Rink

 

24. Februar 2025
https://steinmuehle.de/wp-content/uploads/sites/5/2025/02/Juniorwahlen-2025-Ergebnis-fur-die-Steinmuhle-Zweitstimme_K.png 601 1015 Angela https://steinmuehle.de/wp-content/uploads/sites/5/2025/11/Logo_SchuleInternat_Steinmuehle_2026_3.png Angela2025-02-24 15:33:472026-03-08 10:49:15So wählte die Steinmühle

Politik live: Direktkandidaten stellten sich Fragen der Steinmühlen-Jahrgänge 10, E und Q4

Aktuelles, Politik, Wirtschaft & Verantwortung

Außenpolitik, Zukunft der Bundeswehr, Herausforderungen der Wirtschaft, Energiegewinnung, soziale Gerechtigkeit, Migrationsdebatte: Vielen Themen stellten sich die heimischen Direktkandidaten der unterschiedlichen Parteien vor den Schülerinnen und Schülern der Q4, der E-Phase und des Jahrgangs 10 in der Steinmühle. Die jungen Menschen sparten nicht mit Fragen, konnten sich hautnah selbst ein Bild von den Parteien und ihren Repräsentanten machen und somit als künftige (Erst)wählende Orientierung erhalten.

 

Es fehlen Politikerinnen

Bei den Podiumsteilnehmern, leider keinen „-teilnehmerinnen“, mischten sich Polit-Profis mit Jungpolitikern. Philipp Henning (Die Linke), Andreas May (Bündnis 90/Die Grünen), Sören Bartol (SPD, Mitglied des Deutschen Bundestages), Alexander Keller (FDP), Dr. Stefan Heck (CDU, Mitglied des Deutschen Bundestages) und Julian Schmidt (AfD) nahmen zunächst der Reihe nach zu übergeordneten Themen Stellung. Meist gelang das Vertreten der Parteimeinung, in einzelnen Fällen kam die persönliche Ansicht durch – ein Element, das vielleicht zur Glaubwürdigkeit im „Polit-Zirkus“ einen Beitrag leistete, wissen doch die Routiniers unter den Volksvertretern sehr genau, welche Register sie ziehen müssen, wenn die Öffentlichkeit zugeschaltet ist.

Von unterschiedlichen inhaltlichen Positionen abgesehen, war der Ton bei der Podiumsdiskussion relativ ruhig geblieben. Der letzte Punkt, die Migrationsdebatte, befeuerte dann die Atmosphäre. „Eine Schande für die Demokratie“ erklang es von Sören Bartol mit Blick auf Rechtsaußen. Immerhin ertönte für diesen Beitrag der erste und letzte Applaus des Vormittags.

 

Anton und Ben Luis machten guten Job

Die beiden Diskussionsleiter, Anton Nessler und Ben Luis Peters aus dem Leistungskurs Politik und Wirtschaft (PoWi) des Jahrgangs 13, meisterten ihre Aufgabe bei der zweistündigen Veranstaltung souverän. Wie immer vor Wahlen, hatte PoWi-Lehrerin Dr. Claudia Röder dafür gesorgt, dass die jungen Menschen an der Steinmühle ohne zwischengeschaltete Medien einen Eindruck von den örtlichen Parteienvertretern bekommen konnten. Dafür dankte ihr Schulleiter Björn Gemmer, der sich gleichzeitig erfreut zeigte, dass alle Politiker der Einladung gefolgt waren.
Die Themen und die Antworten:
Rolle Deutschlands in der Außenpolitik / Zukunft der Bundeswehr

Wir müssen mehr diskutieren, wie wir weniger ausgeben. Trump und Putin sind leider da. In Nato oder Bundeswehr darf nicht mehr Geld fließen (Philipp Henning, Die Linke)

Wir sind gegen Wehrpflicht. Unsere Entscheidung: Aufrüstung oder Zukunftsfragen (angehen) (Philipp Henning, Die Linke)

Die USA sind nicht mehr Garant für Frieden. Wir müssen in Rüstung investieren mit dem Ziel, Waffen nie zu brauchen. Wir müssen Sicherheit neu denken (Andreas May, Bündnis 90/Die Grünen)

Wir sind nicht mehr in der Lage, uns zu verteidigen. Heute ist es nicht mehr Realität, abzurüsten (Andreas May, Bündnis 90/Die Grünen)

Das Thema Landesverteidigung ist wieder aktuell. Eine Wehrpflicht ist nicht finanzierbar. Die Bundeswehr muss für Männer und Frauen attraktiver gemacht werden (Sören Bartol, SPD)

Wir brauchen eine starke Bundeswehr, nur so sind wir handlungsfähig. Ich bin nicht für Wehrpflicht. Eine höhere Attraktivität der Bundeswehr muss zentrale Debatte der Gesellschaft werden (Alexander Keller, FDP)

Im europäischen Verbund muss es jemanden geben, der vorangeht. Wir müssen über allgemeine Dienstpflicht sprechen, bei der Bundeswehr oder im zivilen Bereich wie Feuerwehr, THW oder Ähnlichem. …Von 40 Panzern funktionieren ungefähr zwei. Wir müssen über Rüstungskooperation sprechen. Soldatinnen und Soldaten brauchen mehr gesellschaftliche Anerkennung und mehr Sichtbarkeit (Dr. Stefan Heck, CDU)

Deutschland braucht eine robuste Außenpolitik, eine wehrfähige Armee, eine selbstbewusste Position (Julian Schmidt, AfD)

Jeder Verteidigungsminister hat (bei der Wehrpflicht) neue Ideen. Dadurch entsteht ein Gefühl von Unsicherheit. Wir brauchen eine überparteiliche einheitliche Linie. Wehrpflicht ist ein wichtiger Pfeiler (Julian Schmidt, AfD)

 

Wirtschaftliche Herausforderungen

Wirtschaftlich ist die Frage, was man priorisiert. Es gab eine globale Rezession, nicht nur in Deutschland. Wir müssen Vermögenssteuer, Kapitalertragssteuer und die Erbschaftssteuer anzapfen. Das gesellschaftliche Ungleichgewicht muss aufgelöst werden Wir müssen in Straßen und Infrastruktur investieren (Philipp Henning, Die Linke)

Wir sind exportabhängig, haben seit 2016/17 kein Wachstum mehr, haben kein gutes Investitionsklima. Wir haben Industrie und Klimaschutz zusammen versucht. Es besteht Arbeitskräftemangel und Fachkräftemangel. Wir müssen dabei Migration und Asyl trennen (Andreas May, Bündnis 90/Die Grünen)

Wir müssen unsere Infrastruktur im Auge behalten wie Bahn oder Brücken. Das sind riesen Investitionen. Die Debatte um die Schuldenbremse muss reformiert werden. Kommunen sind unterfinanziert. Menschen mit viel Geld müssen mehr beitragen (Sören Bartol, SPD)

Es gibt wirtschaftlich keine Linie bei der SPD. Dabei ist Wirtschaft der Motor für alles, die Basis (Alexander Keller, FDP)

Unsere Regierung hat es nicht geschafft, fast eine Billion an Steuereinnahmen so zu verteilen, wie es erforderlich gewesen wäre (Dr. Stefan Heck, CDU)

Wir brauchen eine bezahlbare Energieversorgung. Sozialabgaben sind zu hoch. Unternehmer gehören von den vielen Berichtspflichten entlastet. Wir forcieren Technologieoffenheit (Julian Schmidt, AfD)

 

Chancengleichheit

Viele sind im Bürgergeld, das ist nicht der richtige Weg. Wir müssen Menschen in Arbeit bringen (Julian Schmidt, AfD)

Bildung ist der Schlüssel zu allem. Wir sollten diesen Sektor beim Bund ansiedeln, denn es kann ja nicht sein, dass das Abitur in Bremen weniger wert ist als in Bayern. Unser Land muss auch in schwachen Bezirken auf Talentsuche gehen (Alexander Keller, FDP)

Bei Finanzierung der Wirtschaft wird allein auf Wachstum gesetzt. Wir brauchen einen Mindestlohn von 15 Euro zur Erhöhung der Kaufkraft. Die Mietpreisbremse ist ein wichtiger Punkt, auch in Marburg (Andreas May, Bündnis 90/Die Grünen)

Man hat unser Rentensystem kaputtgemacht. Ein besseres Beispiel gibt das Österreichische Recht. Alle zahlen ein (Philipp Henning/Die Linke)

 

Künstliche Intelligenz (KI) als neues Medium für den Handel?

Der Zug ist wohl abgefahren. Man müsste dazu erst den Rahmen für Unternehmen schaffen (Julian Schmidt/AfD)

Es bedürfte einer Kooperation mit den Universitäten. Die Frage ist ja: Haben wir ausreichend Strom? Der Strom-Bedarf eines KI-Rechners ist höher als für normale Rechner. Die EU muss einen sicheren Rechtsrahmen schaffen (Dr. Stefan Heck, CDU)

Das sollte man an Schulen und Unis in den Lehrplan implementieren (Philipp Henning, Die Linke)

 

Die Zukunft von Atomstrom

Die Abschaltung der letzten drei Kernkraftwerke in 2022 war ein schwerer Fehler. Nun holen wir den Atomstrom aus Frankreich. Uns fehlen derzeit 20 Jahre Erfahrung in der Kerntechnik. Wir sehen nach der Wahl weiter (Dr. Stefan Heck, CDU)

Es ist gefährlich, das offenzulassen (Sören Bartol, SPD)

Das müsste ein Untersuchungsausschuss klären (Alexander Keller, FDP)

Es gibt keinen Weg zurück in die Atomkraft. Das ist wirtschaftlich nicht mehr interessant. In Dunkelphasen behelfen wir uns neben den erneuerbaren Energien mit Import (Andreas May, Bündnis 90/Die Grünen)

Das ist kompletter Irrsinn. Ich habe keinen Bock auf Tschernobyl 2.0 (Philipp Henning, Die Linke)

Man sollte den Wiedereinstieg in die Atomkraft ermöglichen. Mit dem heutigen Stand unserer Technik können wir nur deshalb so leben wie wir leben, weil andere Länder eine andere Politik machen (Julian Schmidt, AfD)

 

Sinkendes Interesse an der Politik

Man sollte Spenden von Unternehmen verbieten. Es braucht mehr Transparenz bei Lobbyregistern (Philipp Henning, Die Linke)

Eine große Aufgabe! Vertrauenssache. Angesichts dessen, dass es auch Unternehmensspenden bei der Linken gibt und Dinge wie den „D-Day“ bei der FDP (Andreas May, Bündnis 90/Die Grünen)

Jeder hat die Möglichkeit, seine Stimme entsprechend zu setzen (Sören Bartol, SPD)

Beschlüsse werden transparent gefasst und sind nicht von Großspenden abhängig (Dr. Stefan Heck, CDU)

Der Eindruck ist verständlich. Macht und Geld spielen ehrlicherweise eine Rolle. Ich kann jeden nur ermutigen, es im Rahmen seiner Möglichkeiten zu ändern und in eine Partei einzutreten (Julian Schmidt, AfD)

Für die Themen der Bevölkerung sollten wir nach Möglichkeit mehr direkte Demokratie wagen (Alexander Keller, FDP)

 

Zur aktuellen Migrationsdebatte

Wir müssen Asyl und Migration trennen. Wir brauchen Fachkräfte (Alexander Keller, FDP)

Illegale Migration war in den letzten 10 Jahren zufallsabhängig. Wir müssen die individuellen Fälle schon außerhalb der EU klären (Dr. Stefan Heck, CDU)

Wer geregelt hier arbeiten möchte, ist herzlich willkommen. Wer Schutz sucht, muss sich integrieren und benehmen. Kein Asyl für Leute, die keinen Schutz brauchen (Julian Schmidt, AfD)

Es geht auch um die Art der Debatte. Natürlich muss man beurteilen, welche Fehler gemacht wurden (Sören Bartol, SPD)

Habeck plant eine „Vollstreckungsoffensive“. Das sind aber keine „Abschiebetickets“ (Andreas May, Bündnis 90/Die Grünen)

Die AfD schadet dem Wirtschaftsstandort Deutschland. Es ist ein Fliehen vor Realitäten, die wir mitgeschaffen haben (Philipp Henning, Die Linke)

7. Februar 2025
https://steinmuehle.de/wp-content/uploads/sites/5/2025/02/MG_9785a-e1738954995775.jpg 500 1080 Angela https://steinmuehle.de/wp-content/uploads/sites/5/2025/11/Logo_SchuleInternat_Steinmuehle_2026_3.png Angela2025-02-07 20:06:042026-03-08 10:53:03Politik live: Direktkandidaten stellten sich Fragen der Steinmühlen-Jahrgänge 10, E und Q4

„Wir wissen, dass wir die Erde verwüsten – und machen es trotzdem“: Bernd Holly über soziale Verantwortung

Aktuelles, Ehemalige & Alumni, Ökologie und Nachhaltigkeit, Politik, Wirtschaft & Verantwortung, Soziales Engagement

Jahrzehntelang machte Bernd Holly als Schulleiter der Steinmühle Ansagen: Bei Veranstaltungen, durch die Lautsprecheranlage oder auch mal persönlich, wenn er Hinweise beachtet wissen wollte. Seine Ansage Ende Januar an die Schülerschaft der Oberstufe war eine andere. Ein Appell, das eigene Verhalten zu überdenken, wenn alle auf diesem Planeten weiterleben wollen.

„Wir wissen, dass wir die Erde verwüsten. Und wir machen es trotzdem“. So begann der Vortrag des Pädagogen, der seit Sommer 2023 im Ruhestand ist. Das Schlimme daran: Er hat Recht. In dieses Bewusstsein aller Zuhörenden streute Bernd Holly zahlreiche Beispiele zur eigenen Wiedererkennung und zum Nachdenken. Wie leichtfertig holen wir Coffee to go und hinterlassen alleine in Deutschland eine Milliarde an Einwegbechern. Wir mähen den Rasen für den besten „englischen“ Stil, zerstören dabei aber die Wildblumenwiese. Und am liebsten hätten wir das Shopping-Wochenende in New York gewonnen, das ein öffentlich-rechtlicher hessischer Radiosender um die Weihnachtszeit verlost hat. Ist Nachdenken Glücksache? Ja, geht’s noch?

 

Energy-Drinks? Komplett lost!

Holly wird deutlich bei seinen Vorträgen, die er auch in Unternehmen vor Erwachsenen hält, an Schulen etwas anpasst. „Wer Energy Drinks trinkt, ist ein Opfer. Komplett lost“. Er sensibilisierte gegen geschältes, dann in Plastik verpacktes Obst, für Früchte der Saison und für das Überdenken des Fleischkonsums aus gesundheitlichen und ökologischen Gründen. „Die Welt braucht Menschen nicht, es geht um unsere Existenzgrundlagen. Wir bekommen es doch vor Augen geführt durch die Auswirkungen der Klimakatastrophen wie im Ahrtal, in Valencia oder jetzt Kalifornieren“ appellierte Holly, seit vier Jahren Vegetarier. Die populäre Nuss-Nougatcreme stellte er nicht nur wegen des Zuckergehalts in Frage, sondern auch wegen Verwendung von Palmöl, die Abholzung des Regenwaldes nach sich ziehend. Vieles wolle man auch nicht sehen, so der ehemalige Schulleiter und nannte dabei unter anderem die Weihnachtsgans-Industrie.

 

35 Prozent der Lebensmittel landen im Müll

Sich davon zu lösen, scheinbar perfekt sein zu müssen, sei nicht einfach, aber möglich: Ständig neue Klamotten, die man eh nicht trage, ständig ein neues Handy, zu viele gekaufte Lebensmittel, von denen 35 Prozent in den Müll wandern – erwiesenermaßen. „Shoppen aktiviert Glückshormone, ich weiß“, merkte Holly an, der zu Beginn seines Ruhestandes ehrenamtlich bei der Marburger Tafel einstieg, „einer Institution, die für gesellschaftliche Probleme steht“, konstatierte er. Dann wurde es auch schnell politisch: Mangelnde Deutschkenntnisse von Migranten als Zeichen mißglückter Integration, Gendern als Scheindebatte („ich mach das nicht“)  und sodann wieder der Bogen zur ihn überzeugenden „Kaufnix-Liste“ und dem Statement, ob das Rasen mit dem frisierten Auto auf dem Berliner Ku’damm wirklich das einzige Mittel sei, um soziale Anerkennung zu bekommen.

 

„Der Gesellschaft etwas zurückgeben“

Aber – Bernd Holly ist Realist. Er weiß, dass nicht alle seiner Punkte mal eben umgesetzt werden und wie die Chancen dazu stehen. „Ihr seid privilegiert, ihr seid später an entscheidenden Stellen tätig, macht euch Gedanken und seid Vorbild“. Wenn nur ein Punkt des Aufgezählten umgesetzt würde, habe sich der Vortrag gelohnt.

Bernd Holly betrachtet sein bisheriges Leben im Rückspiegel. Aus einfachsten Verhältnissen stammend, zum Schulleiter der beliebten und begehrten Steinmühle avanciert, wolle er der Gesellschaft etwas zurückgeben. Aus Verantwortung, „die (zur Schülerschaft gewandt) auch ihr mal tragen werdet“.

Der Vortrag war ein Projekt der in der Steinmühle verankerten Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)

31. Januar 2025
https://steinmuehle.de/wp-content/uploads/sites/5/2025/01/IMG_3468-scaled.jpg 1125 1500 Angela https://steinmuehle.de/wp-content/uploads/sites/5/2025/11/Logo_SchuleInternat_Steinmuehle_2026_3.png Angela2025-01-31 21:49:102026-03-08 10:59:12„Wir wissen, dass wir die Erde verwüsten – und machen es trotzdem“: Bernd Holly über soziale Verantwortung

LK 12 Geschichte präsentiert Ausstellung zur Ressourcengerechtigkeit

Aktuelles, Kunst, Musik & Theater, Ökologie und Nachhaltigkeit, Politik, Wirtschaft & Verantwortung, Steinmühle unterwegs

„Trotz Reichtum arm“ heißt die Wanderausstellung des Vereins Motivés, die gestern vom Leistungskurs 12 Geschichte im Obergeschoss des Hauptgebäudes aufgebaut wurde. Neben der Vorstellung ausgesuchter Rohstoffe wie Lithium, Cobalt, Palmöl oder Gold wird auch der ökologische Fussabdruck thematisiert.

 

Handelsbeziehungen in Machtstrukturen eingebettet

Auf insgesamt 12 Roll-Ups ist zu sehen, wie heutige Handelsbeziehungen in historisch gewachsene Machtstrukturen eingebettet sind und bis heute zu großen Ungleichheiten führen in Bezug auf die Kontrolle, den Zugriff und die Nutzung der globalen Ressourcen. Die Ausstellung thematisiert die Kämpfe um Land, Menschenrechte und würdige Lebensbedingungen, die mit dem An- bzw. Abbau dieser Rohstoffe einhergehen. Fragen nach globaler Ressourcengerechtigkeit, Widerstand und Handlungsoptionen für jeden Einzelnen werden ebenfalls beleuchtet.

Wie Lehrkraft Ines Vielhaben mitteilte, wird die Ausstellung sechs Wochen lang in der Steinmühle zu sehen sein und kann im Unterricht und in den Pausen hoffentlich für anregende Diskussionen sorgen.

25. Januar 2025
https://steinmuehle.de/wp-content/uploads/sites/5/2025/01/IMG_9401-e1737812911544.jpeg 712 1410 Angela https://steinmuehle.de/wp-content/uploads/sites/5/2025/11/Logo_SchuleInternat_Steinmuehle_2026_3.png Angela2025-01-25 14:49:272026-03-08 11:00:38LK 12 Geschichte präsentiert Ausstellung zur Ressourcengerechtigkeit

Fit für den Alltag nach der Schule: Orientierung über Wohnen, Finanzen & Co.

Aktuelles, Politik, Wirtschaft & Verantwortung

„Dein Crashkurs fürs Leben“ nennt die WJB gGmbH ihr Angebot für Schulen. So waren Wohnen, Finanzen, Krankenkasse und Steuern an einem Dezembermorgen die beherrschenden Themen an der Steinmühle – zumindest für den Jahrgang 13. „Schließlich sollen die jungen Leute in einigen Monaten nicht nur mit dem Kopf voller Schulwissen, sondern auch orientiert über die wichtigsten Dinge des Alltags die Steinmühle verlassen“, erläuterte Oberstufenleiterin Constanze Oestreicher-Gold.

Zu den vier Themengebieten hatte der Veranstalter jeweils einen Vertreter oder eine Vertreterin aus dem heimischen Raum als Referenten eingeladen. Für alle Bereiche gab es ein schriftliches Handout, konnten Fragen gestellt werden und wurden Fallbeispiele erläutert. In Workshops zu jedem Thema wurden konkrete Situationen durchgesprochen: Das Mieten von Wohnraum und was zu beachten ist, Einnahmen, Kontoführung, Familienversicherung, Gehaltsabrechnungen und vieles mehr.

 

Bildung  jenseits der Schulfächer

Unsere angehenden 95 Abiturientinnen und Abiturienten durften auf diese Weise gedanklich mal in andere Gefilde abtauchen, jenseits von Englisch, Deutsch oder Mathematik. Dadurch konnten sie ansatzweise einschätzen, welchen Herausforderungen sie sich werden stellen müssen, wenn sie im Sommer die Steinmühle verlassen.

Ob der Zukunftstag tatsächlich bei der Orientierung über die Themen Wohnen, Finanzen, Krankenkasse und Steuern geholfen hat? Dies durften die 95 Schülerinnen und Schüler am Ende der Veranstaltung auf einem Feedback-Bogen beantworten. Die Beurteilungen, die auch Verbesserungsvorschläge enthalten konnten, nahm Zukunftstags-Leiter Timo Skrobanek am Schluss der Tagung mit. Der nächste Jahrgang dürfte schon in den Startlöchern stehen, um sich ebenfalls in die unterrichtsfremden, aber lebensnahen Themen einzufinden.

14. Januar 2025
https://steinmuehle.de/wp-content/uploads/sites/5/2025/01/IMG_6870-Verbessert-RR-scaled.jpg 1000 1500 Angela https://steinmuehle.de/wp-content/uploads/sites/5/2025/11/Logo_SchuleInternat_Steinmuehle_2026_3.png Angela2025-01-14 11:39:002026-03-08 11:01:53Fit für den Alltag nach der Schule: Orientierung über Wohnen, Finanzen & Co.

Jahrgang 12 nutzte eingehend die Info-Möglichkeiten über verschiedene Berufe

Aktuelles, Politik, Wirtschaft & Verantwortung

„Krawatte binden war gestern“ verkündete die  Sparkassse Marburg-Biedenkopf auf ihrem Roll-up, um beim Ausbildungsberuf Bankkaufmann mögliche Gedanken an ein zu konservatives Image gar nicht aufkommen zu lassen. Damit hatten die Schülerinnen und Schüler des Steinmühlenjahrgangs 12 auch ohnehin kein Problem, wie es schien. Der Info-Stand des heimischen Geldinstituts beim Rotary-Berufsinformationstag an der Steinmühle war durchgehend gut besetzt. Bankkaufmann – ein Beruf mit vielen Perspektiven, und wer hätte das besser bestätigen können als der ebenfalls anwesende heutige Landtagsabgeordnete Dirk Bamberger (CDU), der in jenem Bereich seinen beruflichen Start hinlegte.

 

Ziemlich begehrt: Psychologie

Doch es ging an diesem Abend, der alljährlich im November im Forum der Steinmühle stattfindet, nicht nur um das Berufsbild des Bankers oder Politikers. Die Liste der Vertreterinnen und Vertreter verschiedenster Berufe war lang: Rechtsanwalt, Diplomkaufmann, Mediziner oder Zahnmediziner; das Info-Angebot der anwesenden Psychologin füllte den Raum in besonderem Maße. Es gibt daneben weitere Berufe, die in schon gewohnterweise besonderes Interesse wecken: Für die Bundeswehr gab es mehrere Interessierte, wenn auch etwas weniger als in den Vorjahren. Der Studiengang Nachhaltigkeitsmanagement machte viele auf sich aufmerksam, und auch Pharmazie und Physik hatten etliche Nachfragen bei den drei Gesprächsrunden.

 

Zum Handwerk „auf Umwegen“

Neu im Angebot waren handwerkliche Berufe mit einem Vertreter des Fleischerei-Handwerks und des Tischler-Handwerks. Christiane Harms, selbst Goldschmiedin und Projektkoordinatorin „Talentscouts im Handwerk“, stand Rede und Antwort bei der Frage, ob denn das Handwerk bei den Abitur-Jahrgängen auch seine Anhänger hat. „Auf jeden Fall“ berichtete die Vertreterin der Kreishandwerkerschaft, stellte lediglich fest, dass oft erst ein Umweg eingeschlagen werde: „Viele fangen erst vorher etwas an und kommen dann als Abbrecher ins Handwerk. Übersehen würden im Vorfeld oft der Bedarf an Handwerkern verschiedenster Gewerke und der vergleichsweise gute Verdienst schon in sehr frühen Jahren. Ihr Tipp: „Gerne mal bei uns vorbeikommen“.

 

Mordkommission und Presse 

Neu im Informationsangebot des Abends war ein Vertreter der Mordkommission, und die Erläuterungen dieses „echten Kommissars“ wollten sich viele nicht entgehen lassen. Wie arbeitet ein Pilot und wie wird man einer? Auch das gehörte zu den neuen Informationsangeboten beim Berufsinformationstag an der Steinmühle. Sind die Zeiten so interessant aus der Beobachter-Perspektive – oder sollte sich das Image tatsächlich gebessert haben? Wie dem auch sei: Carsten Beckmann, stellvertretender Chefredakteur unserer heimischen Oberhessischen Presse, freute sich über einen ganzen Raum voller Interessentinnen und Interessenten am Beruf des Journalisten und Redakteurs.

 

Dank an das Organisationsteam

Unerwähnt blieben bisher die Vertreterinnen und Vertreter der Berufe in Personalentwicklung, Informationstechnologie (IT) und Softwarebereich, des Steuerberaters und Wirtschaftsprüfers und der Präzisionsoptik. Nicht zu vergessen ist auch das Organisationsteam des Abends, bestehend aus Dr. Claudia Röder, an der Steinmühle verantwortlich für die Berufsorientierung, und Hans-Heinrich Bähr vom Rotary-Club Marburg-Schloss, zuständig für den Berufsinformationsdienst. Schulleiter Björn Gemmer bedankte sich bei beiden für die zuverlässige Vorbereitung mit einem kleinen Präsent.

 

„Orientierunsgtechnisch wertvoll“

Wie immer fingen wir nach der Veranstaltung die eine oder andere Stimme der Schülerinnen und Schüler ein: „Ich hatte viele Vorstellungen und Erwartungen von bestimmten Berufen, nun kann ich alles realistischer einschätzen. Orientierungstechnisch ist diese Veranstaltung sehr wertvoll“, sagte Ivo Hamann. Kommentare seiner Mitschülerinnen bestätigten das, sie hätten allerdings sehr gerne noch etwas zum Thema Meeresforschung gefunden. Ansonsten, so Elsa Stremme und Lia Kraft, war es ok, „…nur mehr Durchgänge und mehr Zeit – das wäre noch besser gewesen“.

13. November 2024
https://steinmuehle.de/wp-content/uploads/sites/5/2024/11/IMG_4698.jpg 480 640 Angela https://steinmuehle.de/wp-content/uploads/sites/5/2025/11/Logo_SchuleInternat_Steinmuehle_2026_3.png Angela2024-11-13 19:36:012026-03-08 11:10:41Jahrgang 12 nutzte eingehend die Info-Möglichkeiten über verschiedene Berufe

Homosexualität im Dritten Reich – ein Schicksal hautnah

Aktuelles, Kooperationen & Partnerschaften, Politik, Wirtschaft & Verantwortung

Ein farbenfroher Regenbogen leuchtete am Donnerstagabend über dem Marburger Stadtteil Cappel und über der Steinmühle. Ganz so, als wollte er noch einmal speziell zur Lesung von Klaus Dieter Spangenberg ins Forum einladen. Der gebürtige Marburger und Dipl.-Sozialarbeiter stellte dort sein Buch vor mit dem Titel „Wo ist Fritz“. Darin schildert er das Schicksal seines Großonkels als Beispiel für die Opfer von Militärjustiz und die Verfolgung Homosexueller im Dritten Reich.

Zu einer Lesung im engeren Sinne kam es für die Besucherinnen und Besucher aller Altersklassen nicht. Dafür hörten sie die warmherzige Schilderung der Familiengeschichte mit Schwerpunkt auf das Leben von Großonkel Fritz Spangenberg.

Noch immer etwas Besonderes

Als der Autor Klaus Dieter Spangenberg, Jahrgang 1964, im Zeitraum 1982/83 selbst sein Coming-out hatte und sich innerhalb der Familie offenbarte, erfuhr er: „Du bist nicht der Erste“. In der Marburger Bahnhofstraße 11 hatte es schon einmal jemanden gegeben, seinen Großonkel Fritz Spangenberg. Er hatte als Homosexueller zur Zeit des Dritten Reiches die besondere Härte des Paragraphen 175 Strafgesetzbuch zu spüren bekommen – mit allen unmenschlichen Folgen.

Auch wenn Jahrzehnte später immer mehr Rechte für gleichgeschlechtlich liebende Menschen erstritten wurden, der Paragraph 175 StGB später gelockert und 1994 endlich aufgehoben wurde – es blieb nach Schilderungen des Vortragenden immer etwas Besonderes. In seinem eigenen Elternhaus gab es die Sprachregelung, nicht darüber zu reden; schließlich war die Familie bekannt, hatte in Marburg ein etabliertes Café – dazu passte laut seiner Familie kein Getuschel. Klaus Dieter Spangenberg, übrigens Steinmühlen-Abiturient, der als schwuler Mann „keine Zukunft in der Kleinstadt“ sah, verließ Marburg in Richtung Berlin. Die Stadt ließ er zurück – die Gedanken an seinen Großonkel Fritz begleiteten ihn.

Recherche bis 2022

„Kann denn Liebe Sünde sein?“ fragte Zarah Leander in ihrem Lied von der gleichnamigen Schallplatte, die der Gast bei seinem Vortrag abspielte. Laut eigener Schilderung begann Spangenberg etliche Jahre später, nämlich 2009, mit der Recherche nach dem Schicksal seines Großonkels, die bis 2022 andauerte. Akten inklusive Strafregister, Angaben über die Zeit in der Strafkompanie, ein Fotoalbum seines Großvaters und Briefe des Großonkels an die eigene Schwester dokumentierten die Hürden, Widerstände, Degradierungen und Strafen, die Fritz Spangenberg, Jahrgang 1914, hatte erfahren müssen. Die Fotos zeigten den Pharmaziestudenten und späteren Apotheker erst als Hilfskoch, häufig beim Herumalbern auch in Frauenkleidern, aber 1935 auch in SA-Uniform, die gewisse Vergünstigungen versprach. Im selben Jahr war der § 175 StGB noch verschärft worden.

An die Öffentlichkeit ging Fritz Spangenberg häufig zu dritt, mit seiner Schwester Elfriede und deren Verlobtem Hans Hahn. Die drei Pharmazeuten unternahmen viel, ließen sich fotografieren. – Für Klaus Dieter Spangenberg Dokumente einer Zeit, in der es seinem Großonkel zumindest vordergründig gut zu gehen schien.

Vollstreckungen mitansehen

Die militärische Grundausbildung absolvierte Fritz Spangenberg in Kassel. In Fritz Spangenbergs Strafbuch fand sich irgendwann der Vorwurf versuchter Verführung Minderjähriger – einer Altersklasse, der man damals bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres angehörte. Die Beweise waren dürftig. Spangenberg gehörte dennoch zur Zielgruppe der „Abteilung zur Bekämpfung der Homosexualität“.

Als ausgebildeter Sanitäter konnte er sich zwar dem Schicksal in KZ oder Zuchthaus entziehen; er kam aber 1943 in das Wehrmachtsgefängnis Torgau an der Elbe. Dort war es unter anderem vorgeschrieben, bei der Vollstreckung von Todesurteilen zusehen zu müssen.
Und noch mehr. Als Offizier wurde er degradiert, er verlor seinen Dienstrang, die Eignung als Sanitäter wurde ihm aberkannt, die Zulassung als Apotheker entzogen. Weil er sich im Wehrmachtsgefängnis sehr gut führte, erhielt er am 16. Februar 1943, nach neun Monaten, sein Entlassungszeugnis, das immerhin sein gutes Betragen und Verhalten jedermann gegenüber dokumentierte.
Das Ende: Strafkompanie an der Ostfront

Dennoch: Im Dezember desselben Jahres musste er sich erneut von seiner Familie verabschieden, um in die so genannte „Strafkompanie“ an der Ostfront einzurücken. Diese entfaltete ihre Aktivitäten in Russland und Weissrussland. Seine Familienangehörigen hatten anschließend immer gehofft, er werde in Gefangenschaft kommen. Stattdessen entnahm sie und später Klaus Dieter Spangenberg einer Kommandeurs-Nachricht aus den Archiven, dass Fritz Spangenberg mit seiner Einheit 299 bei einem Nachtangriff in einem Sumpf- und Waldgebiet verschollen war.

Fritz Spangenbergs sterbliche Überreste wurden nie gefunden, 1969 wurde er für tot erklärt. Eine Gedenkstätte gibt es nicht. Sein Name findet sich einzig auf einer Gedenktafel für die Opfer des 1. und 2. Weltkrieges.

Gesellschaftliche Ächtung, Verlust der Approbation, Scham und schließlich der Tod in der Strafkompanie an der Ostfront sind die traurige und bewegende Geschichte von Fritz. Das Buch ist der Versuch einer Rekonstruktion seines tragischen Schicksals anhand von Dokumenten aus der Wehrmachtsakte und dem Familienarchiv. Fritz zählt zu den über 50.000 Opfern der NS-Justiz und den rund 7.000 Verurteilten innerhalb der Wehrmacht.

Klaus Dieter Spangenberg: Wo ist Fritz? – Opfer des § 175 im Dritten Reich. Ein Beispiel für Militärjustiz und die Verfolgung Homosexueller in der Wehrmacht. Das Buch hat 116 Seiten und ist erschienen im Büchner Verlag, Marburg 2024, als Taschenbuch oder E-Book (ISBN: 978-3-96317-349-3). 

14. September 2024
https://steinmuehle.de/wp-content/uploads/sites/5/2024/09/IMG_5996-Verbessert-RR11-scaled.jpg 1000 1500 Angela https://steinmuehle.de/wp-content/uploads/sites/5/2025/11/Logo_SchuleInternat_Steinmuehle_2026_3.png Angela2024-09-14 18:28:312026-03-08 11:29:59Homosexualität im Dritten Reich – ein Schicksal hautnah

„Mein Mutiger Weg“: Bei der Berufsorientierung eigene Träume aktiv verfolgen

Aktuelles, Politik, Wirtschaft & Verantwortung

Wohin führt der Weg nach dem Abitur? Der Steinmühle ist sehr daran gelegen, dass ihre Schülerinnen und Schüler noch während ihrer Oberstufenzeit möglichst klare Vorstellungen von dem entwickeln, was sie tun wollen, wenn sie ihr Abi-Zeugnis in der Hand halten. Berufsorientierende Veranstaltungen erhalten daher während der Schuljahres regelmäßig einen Platz. Zum Standard-Programm gehört hier mittlerweile ein Vormittagsseminar mit dem Bildungs-Start-up „Mein mutiger Weg“. Die Trainer bieten moderne Berufsorientierung an. Ihr Credo: Arbeiten an der eigenen Zukunft soll Freude machen, keine Angst.

Fähigkeiten herausarbeiten

Während des Seminars lernten die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe auch am vergangenen Dienstag wieder, wie wichtig es ist, eigene Fähigkeiten, Interessen oder auch Träume herauszuarbeiten, um genau diesen durch gezielte Schritte in Eigenverantwortung und mit Selbstvertrauen ein Stückchen näher zu kommen. Eine Konkretisierung von Vorstellungen, von Prioritäten für das Leben und von eigenen Stärken ist ein wichtiger Wegweiser, um idealerweise den passenden Studienplatz oder die passende Berufsausbildung zu finden. „Wenn Entscheidungskriterien für den späteren Wunschberuf definiert werden, kann so mancher Abbruch vermieden werden“, berichtete das Team des zertifizierten Bildungsträgers aus Karlsruhe.

Der Vormittag im Forum der Steinmühle wurde durch Beantwortung von Fragen, durch Aufgaben im Dialog und durch Arbeit mit einem Seminar-Workbook gestaltet.

Dr. Claudia Röder, an der Steinmühle für Berufsorientierung und Praktika zuständig, hatte die Veranstaltung organisiert und lieferte einige fotografische Eindrücke. Irgendwie wirkt es so, als hätte die Unterhaltung über das eigentlich ernste Thema „Zukunft“ den Schülerinnen und Schülern sogar Spaß gemacht.

 

8. September 2024
https://steinmuehle.de/wp-content/uploads/sites/5/2024/09/IMG_23021-e1725816789725-scaled.jpg 789 1500 Angela https://steinmuehle.de/wp-content/uploads/sites/5/2025/11/Logo_SchuleInternat_Steinmuehle_2026_3.png Angela2024-09-08 19:52:452026-03-08 11:30:30„Mein Mutiger Weg“: Bei der Berufsorientierung eigene Träume aktiv verfolgen

Im Blockhaus spielen nun die MühlenMinis

Aktuelles, Kooperationen & Partnerschaften, Leben im Internat, Politik, Wirtschaft & Verantwortung, Soziales Engagement

Die Anneliese Pohl Stiftung fördert das Tagespflegegruppen-Projekt „MühlenMinis“ an der Steinmühle mit 40.000 Euro. Aus diesem Grund gab es einen „Großen Bahnhof“ für die kleinen Lieblinge. Das neu sanierte Blockhaus auf dem Gelände der Steinmühle wurde jetzt für die beiden Tagespflegegruppen für Kinder im Alter von 1-3 Jahren offiziell seiner Bestimmung übergeben. Mit dabei waren Schulvereinsvorsitzender Egon Vaupel und sein Vertreter Gerhard Müller, kommunale Vertreterinnen und Vertreter sowie Arzu Kurt-Duran, Geschäftsführerin der Anneliese Pohl Stiftung. Sie überreichte der Steinmühle zur Unterstützung des Projekts einen Scheck in Höhe von 40.000 Euro.

„Wir haben großes Glück, eine Stiftung vor Ort zu haben, die solche Projekte fördert“, erklärte Vaupel zu Beginn seiner Ansprache. Um möglichst viele Kriterien als familienfreundlicher Arbeitgeber zu erfüllen, möchte die Steinmühle für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Möglichkeit schaffen, ihre Kinder auch während ihrer Arbeitszeit in sichere und zuverlässige Hände zu geben. Zwei professionelle Kindertagespflegerinnen, Sarina Rösler und Debora Schmidt vom Verein Kindertagespflege Marburg-Biedenkopf, sorgen in zwei Gruppen mit je maximal fünf Kindern dafür, dass dies in vollem Umfang gelingt.

Die „MühlenMinis“, wie sie liebevoll genannt werden, sind im ehemaligen Blockhaus untergebracht. Für eine rundherum zeitgemäße Umgebung wurde das 1980 errichtete Gebäude kernsaniert. Die Unterkunft hält nun alles bereit, was sich Eltern für ihren Nachwuchs wünschen können: Ein Kinderbad, eine Küche, einen ansprechend gestalteten Aufenthaltsraum, Schlaf- und Rückzugsbereich – und natürlich jede Menge Möglichkeiten zum Spielen.

 

Sicheres Außengelände zum Toben

 

Stiftungsmanagerin Arzu Kurt-Duran konnte sich von dem fröhlich gestalteten Interieur des Gebäudes und seiner Ausstattung überzeugen. Damit sich alle auch von der Außengestaltung der Anlage ein passendes Bild machen konnten, war die offizielle Einweihung absichtlich ins Frühjahr gelegt worden. Das Außengelände wurde für die Kinder komplett neu angelegt und sicher eingezäunt. Dort kann nach Herzenslust gespielt, getobt und geforscht werden. Ein großer Sandkasten lädt zum Buddeln ein. Dieser ist mit einem Sonnensegel geschützt.

Die Inbetriebnahme der Anlage hatte bereits vergangenen Herbst stattgefunden: Die ersten MühlenMinis, darunter der Sohn von Projektmanager Fabian Küster, waren bereits am 23. Oktober eingezogen.

Arzu Kurt-Duran, selbst ehemalige Schülerin der Steinmühle, freute sich, die Unterstützung im Namen der Anneliese Pohl Stiftung übergeben zu können und wünschte der Einrichtung gutes Gelingen. Zwischen der Anneliese Pohl Stiftung und dem Schulverein ist vereinbart, dass potentiell von der Steinmühle nicht belegte Kinder-Tagespflegeplätze den Eltern im Umfeld der Anneliese Pohl Stiftung zur Verfügung stehen.

Zur offiziellen Einweihung des Gebäudes der MühlenMinis war auch eine Vertreterin des zweiten Kooperationspartners Sparkasse Marburg Biedenkopf erschienen: Steinmühlen-Geschäftsführer Dirk Konnertz begrüßte Personalleiterin Michaela Weiser. Vor Ort waren auch Bürgermeisterin Nadine Bernshausen und Petra Prenzel vom Fachdienst Kinderbetreuung der Stadt Marburg. Die Bürgermeisterin war sehr angetan von dem „wunderbaren Gelände“ und brachte Präsente mit. Die Eröffnungsveranstaltung begleiteten viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Steinmühle, darunter Schulleiter Björn Gemmer, Internatsleiterin Anke Muszynski sowie die Schulleitungsmitglieder Tobias Karlein, Frank Wemme und Dirk Lange.

 

14. August 2024
https://steinmuehle.de/wp-content/uploads/sites/5/2024/08/IMG_22031-scaled.jpg 1000 1500 Angela https://steinmuehle.de/wp-content/uploads/sites/5/2025/11/Logo_SchuleInternat_Steinmuehle_2026_3.png Angela2024-08-14 17:59:022026-03-08 11:39:23Im Blockhaus spielen nun die MühlenMinis

Faszinierende Motive aus der Natur

Aktuelles, Kunst, Musik & Theater, Ökologie und Nachhaltigkeit, Politik, Wirtschaft & Verantwortung

In Kooperation mit dem Fotografen und Tierökologen Dr. Sascha Rösner stellten die Steinmühlen-Lehrkräfte Ines Vielhaben und Antje Seel eine digitale Ausstellung zusammen und präsentierten diese zum internationalen Tag der Biodiversität, im Eingangsbereich des Hauptgebäudes.

An verschiedenen, genauer bezeichneten Orten im europäischen Raum war es dem Fotografen gelungen, Motive aus dem Tierreich und aus ökologisch bedeutsamen Regionen festzuhalten. Durch Erläuterungen konnte dem Betrachter eine Idee von Vielfalt und Wichtigkeit der präsentierten Beispiele vermittelt werden. Ein Poster mit Bilderklärungen wurde neben dem Bildschirm im Eingang des Hauptgebäudes laminiert an die Wand gehängt. Dazu lief über den Bildschirm die Präsentation der Fotos im Loop.

Die Steinmühle bedankt sich für das Engagement der Beteiligten, uns alle für Schönheit, Werte und Bedeutung unserer Natur einmal mehr zu sensibilisieren.

 

14. August 2024
https://steinmuehle.de/wp-content/uploads/sites/5/2024/07/2024_Captions-Poster_Steinmuehle_001-e1723645979913.jpg 1184 1153 Angela https://steinmuehle.de/wp-content/uploads/sites/5/2025/11/Logo_SchuleInternat_Steinmuehle_2026_3.png Angela2024-08-14 16:30:532026-03-08 11:39:53Faszinierende Motive aus der Natur
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