Antibiotika aus dem Labor sind unverzichtbar geworden

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Auf interessiertes Publikum stieß Prof. Dr. Helge Bode, Direktor des Marburger Max-Planck-Instituts für terrestrische Mikrobiologie, bei seinem aktuellen Vortrag in der Steinmühle.

Anwesend waren 85 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 12 und 13, die Biologie als Leistungsfach belegen, zahlreiche Grundkursschülerinnen und Grundkursschüler sowie die Teilnehmenden des plus-MINT-Talentförderprogramms.

Worum ging es?

 

Viele Arzneistoffe werden ursprünglich von Mikroorganismen produziert

In seinem Vortrag mit dem Titel „Neue Antibiotika“ verdeutlichte Bode, dass viele unserer wichtigsten Arzneistoffe wie Antibiotika, Immunsuppressiva für Transplantationen oder Chemotherapeutika gegen Krebs ursprünglich nicht aus dem Chemielabor stammen, sondern von Mikroorganismen produziert werden. Bakterien nutzen diese Stoffe in der Natur meist als Verteidigungswaffen gegen Konkurrenten.

Er führte weiter aus, dass Bakterien diese komplexen Wirkstoffe über spezielle molekulare Fließbänder herstellen (sogenannte nicht-ribosomale Peptidsynthesasen oder Polyketidsynthesasen). Man kann sich diese Enzyme wie Legosteine oder einen Baukasten vorstellen, bei dem verschiedene Proteine Schritt für Schritt chemische Bausteine zusammensetzen.

 

Immer mehr Krankheitserreger werden resistent

Es wurde problematisiert, dass immer mehr Krankheitserreger resistent gegen klassische Medikamente werden, es also nicht mehr ausreiche, nur in der Natur nach neuen Stoffen zu suchen. Helge Bodes Forschung setzt genau hier an: Seine Arbeitsgruppe entschlüsselt die Gen-Baukästen der Bakterien, trennt die einzelnen „Legosteine“ auf und setzt sie im Labor neu zusammen. Durch dieses Reprogrammieren der bakteriellen Fließbänder entstehen völlig neue, künstliche Moleküle, die es in der Natur so nie gab – maßgeschneiderte Antibiotika im Kampf gegen resistente Keime.

 

Maßgeschneiderte Antibiotika sind dringend erforderlich

Bode wies darauf hin, dass diese neuen Antibiotika dringend erforderlich seien, da Menschen – nicht zuletzt wegen des breiten Antibiotika-Einsatzes in der Massentierhaltung – immer mehr Resistenzen gegenüber bestehenden Antibiotika entwickelten.

Nach dem einstündigen Vortrag kam es zu zahlreichen interessanten und weiterführenden Fragen aus dem Publikum, was Prof. Bode dazu veranlasste, die Konzentrationsfähigkeit und das Interesse der Steinmühlenschülerinnen und Steinmühlenschüler ausdrücklich zu loben.

Das Referat war Teil der vom Schüler:innenforschungszentrum Mittelhessen initiierten Vortragsreihe „Microbes@School“.

(Gem) // Fotos: MPI Marburg, Geisel