„Irgendwann gab es diesen Moment: Ich will Schiedsrichter werden“

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Kleine oder große Jungs haben manchmal Fußballträume: Einmal ein Torschütze sein wie Harry Kane. Oder Torwart wie Manuel Neuer. Steinmühlenschüler Lars Hübl schwebt auch eine Karriere im Fußball vor, nur an anderer Position. Er träumt vom Leben als Bundesliga-Schiedsrichter.

„Ich weiß auch nicht, wie das kam. Irgendwann gab es einfach diesen Moment. Von da an wusste ich: Ich will Schiedsrichter werden“. Die Worte aus dem Munde des 13Jährigen klingen sicher und final.

Diese „Eingebung“ – so nennen wir es – hatte Lars vor sechs Jahren. Beim Fußball schauen, beim Fußballspielen sei dieser Wille plötzlich dagewesen. Und ein Wille findet bekanntlich Wege.

 

Unterstützung durch die Eltern 

Zu sagen, Lars hat Träume, trifft es nur teilweise. Schon vor einiger Zeit ist der Jugendliche in die Umsetzung gegangen. Im Alter von 11 Jahren erwarb er den offiziellen Schiedsrichter-Schein nach Vorbereitung in einem 12-stündigen Kurs. In der schriftlichen Prüfung gab es am Ende 30 Regelfragen, die beantwortet werden mussten. Für Lars Hübl kein Problem.

Der junge Schiri wurde erst in der U 10 eingesetzt, später in der U15 Gruppenliga, der dritthöchsten Liga im Jugendbereich. Den damit verbundenen Zeitaufwand integriert Lars Hübl in seinen schulischen Wochenplan. Seine Eltern unterstützen sein Hobby, das als außergewöhnlich bezeichnet werden darf.

Mit dem Wort „Hobby“ hadert der junge Mann etwas. Die Ernsthaftigkeit, mit der der Sport betrieben wird, ist hoch. Als dreiköpfiges Gespann steht er mit Schiedsrichter-Assistenten bei vielen Spielen auf dem Platz. Nicht selten sind seine Kollegen schon volljährig.

 

„Wichtig sind Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen“

Wie man sich da fühlt?

„Gut!“ berichtet Lars. Er bleibt aber Realist. Denn ihm ist klar: „Das Wichtigste sind Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen“.

Er habe das. Besuche Seminare, höre zu, denke mit. Er sei aktiver Spieler im FV Wehrda, für den Verein natürlich auch als Schiedsrichter tätig.

„Es ist möglich“, so Lars, „dass ich mich darauf zu hundert Prozent fokussieren werde“.

Die aktive sportliche Komponente komme im Schiri-Job keineswegs zu kurz. „Das wird oft unterschätzt“, lacht der Schüler. Man müsse schnell sein, man müsse laufen, weiß er. Pro Spiel komme man locker auf 6 bis 7 Kilometer.

Lars Hübl hat das, was oft sogar älteren Jugendlichen noch fehlt: Er hat eine Vision. „Ich möchte so schnell wie möglich in den Herren-Fußball“ sagt er und erklärt gleichzeitig, dass minderjährige Schiedsrichter dort keine Seltenheit seien.

 

„Ich habe mich selbst gefragt: Will ich das?“

Sein junges Alter sei hin und wieder bei Spielen eine Herausforderung. Nämlich dann, wenn aggressive Eltern der gegnerischen Mannschaft gegen ihn lautwürden. „Beim ersten Mal habe ich mich selbst gefragt: Will ich das?“ erinnert sich Lars.

Inzwischen aber sei er damit aber im Reinen, nimmt es nicht persönlich, sondern sieht es von der psychologischen Seite. „Man ist halt an allem Schuld, wenn es für den Gegner nicht läuft“.

Er selber habe ein ausgleichendes Naturell. Die Position als Streitschlichter zwischen Spielern gegnerischer Mannschaften gefällt ihm. Mit der beruflichen Perspektive eines Schiedsrichters kann er sich gut arrangieren. Ab der 3. Liga zahlt der Deutsche Fußball Bund (DFB) Festgehälter. Lars selber sieht sich eines Tages idealerweise in der Bundesliga.

Weil zu Profi-Sportlern bestenfalls ein überdauernder bürgerlicher Beruf gehört, hat Lars auch diesen bereits im Visier. „Möglicherweise lande ich im Sportmanagement“. Mit den Lieblingsfächern Mathematik und Sport – warum nicht.

Einen wertvollen Unterstützer für sein Schiedsrichter-Ziel hat er übrigens auch in der Schule: Seinen Lehrer Phillip Knaack. Beide teilen aktiv die Leidenschaft für den Job des Unparteiischen.

Angela Heinemann